Die Erforschung des frühbronzezeitlichen Spangenbarrenhortes von Oberding durch das Museum Erding

Der Hortfund wurde Im Frühjahr 2014 am südlichen Ortsrand von Oberding, Landkreis Erding, im Vorgriff auf den Bau eines Wohnhauses durch eine Ausgrabungsfirma innerhalb eines bekannten Bodendenkmals (Siedlung und Gräber der frühen Bronzezeit) entdeckt. Die lössbedeckte  Hochterrasse am Ostrand des Erdinger Mooses weist eine hohe Dichte an bekannten Fundstellen/Bodendenkmälern auf. Dem aktuellen Kenntnisstand nach ist dieser Kleinraum seit der Jungsteinzeit (Mittlere Linearbandkeramik, um 5300 v. Chr.) besiedelt.

Der Spangenbarrenhort wurde in zwei in-situ-Erdblöcken durch das BLfD (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) geborgen. Er besteht aus einem kleinen, der ca. 140 Barren fasst („Kleiner Block“) und einem großen, etwa 1,2 t schweren Erdblock mit aktuell noch nicht abzuschätzender Zahl an Barren („Großer Block“). Sämtliche Funde lagern seitdem in den Restaurierungswerkstätten des BLfD in München.

Der Fundkomplex befindet sich im Eigentum der Stadt Erding (durch Erwerb aus Privatbesitz im Dezember 2014). Die Stadt Erding finanziert in freiwilliger Leistung als Eigentümerin das Projekt „Spangenbarrenhort Oberding". Er soll zukünftig dauerhaft im Museum Erding ausgestellt werden.

Prähistorischer Hintergrund und Besonderheit des Hortfundes

Hort-/Depotfund mit Bronze(?)-Spangenbarren der frühen Bronzezeit (Stufe Bz A2, um 2000 v. Chr.) besitzen gelegentlich beträchtlichen Umfang. Spangenbarren gelten als bronzezeitliche Tauschgrundlage, sie sind genormte(?) Rohmaterialstücke für die Weiterverarbeitung durch Bronzeschmiede bzw. -gießer, z.B. zur Herstellung von Waffen, Schmuck und Gerät. Der größte, bisher bekannt gewordene  Spangenbarrenhort Südbayerns (mit über 500 Einzelbarren) wurde letztes Jahrhundert in München-Luitpoldpark beim Kiesabbau entdeckt.

Besonderheit des Oberdinger Fundes: neben seinem zahlenmäßigen Umfang ist es die Auffindung des Oberdinger Hortes in einer typischen Siedlungsgrube, in der er am Rand in einer versteckten Nische niedergelegt und deponiert wurde. Die meisten vergleichbaren Hortfunde sind ohne umgebenden Befund und Kontext geborgen worden. Er ist in dieser Grube mit einer größeren Menge – wohl ebenfalls deponierter – Keramik vergesellschaftet. Dadurch besteht die seltene Möglichkeit die zeitliche/räumliche Situation zwischen Siedlungsgrube und Grube/Nische des Spangenbarrenhorts zu untersuchen und chronologisch zu parallelisieren. Besonders wertvoll ist weiter, dass der Hort im Rahmen einer regulären Ausgrabung entdeckt wurde und dadurch der Fundzusammenhang - z.B. durch Raubgräber/illegale Sondengänger - nicht gestört ist.

Das laufende Projekt „Spangenbarrenhort Oberding“

Das Gesamtprojekt umfasst: Restaurierung-Konservierung, Untersuchung, archäologische Auswertung und Präsentation des Fundkomplexes mit dem Ziel den Fund zu erhalten, zu erforschen und schließlich im Museum Erding zu präsentieren.

Projektpartner:

BLfD (Restaurierung-Konservierung, Technologische Untersuchung)

Stadt Erding/Museum Erding (Auftraggeber und Finanzierung)

LMU München (archäologische Auswertung im Rahmen einer Masterarbeit, Betreuerin: Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick, Institut für vor- und frühgeschichtliche und provinzialrömische Archäologie).

Folgende Untersuchungen sind für den Fundkomplex geplant bzw. bereits in Arbeit:

Konservierung und Restaurierung der Keramikfunde

Schichtweise Freilegung der beiden in-situ-Blockbergungen mit den Spangenbarren mit archäologischen Methoden (Anlegen von Plana und Schnitten) einschließlich der 3-D Dokumentation (3D-Scan und 3D-CT durch das Fraunhofer Institut, Fürth) und der Probenentnahme für diverse naturwissenschaftliche Untersuchungen.

Konservierung und Restaurierung der in den Blöcken enthaltenen Funde und Befunde bis zur Vorbereitung für die Präsentation, einschließlich der herstellungstechnologischen Untersuchung und Beprobung der Spangenbarren für metallografische Unter­suchungen, der möglicherweise enthaltenen organischen Materialien (Schnüre zur Bündelung?) und evtl. weiterer vorhandener Funde.

Metallanalysen

14-C-Analysen zur Datierung

Paläoanatomische Untersuchungen (Archäozoologie)

Paläobotanische Untersuchungen

Holzkohleanalysen

Archäologische Bearbeitung (Fundzeichnung, Katalog, Vergleichsfunde, Bewertung und Interpretation)

Sachgerechte Aufbereitung der Funde und Untersuchungsergebnisse für eine Präsentation im Museum Erding, incl. der anvisierten digitalen 3D-Datenaufbereitung für eine virtuelle Rekonstruktion des archäologischen Befundes, ggf. eines Modells / einer Kopie des Hortfundes (3D-Druck) zum Anfassen.

Einrichtung der Präsentation im Museum Erding, Vorstellung in der Öffentlichkeit (geplant ist eine Sonderausstellung ab frühestens Spätsommer/Herbst 2016)

Text: BLfD/Museum Erding, 28.08.2015

Update 18.09.2015

Zur Vorbereitung auf die erste vollständige 3-D Computertomographie des „Großen Blocks“ im Fraunhofer EZRT in Fürth wurde dieser in den letzten Wochen vom Restaurator Jörg Stolz um Große Teile der nicht bronzeführenden Erdpartien reduziert. Parallel dazu fand eine erste geoarchäologische Ansprache der Bodenprofile durch Britta Kopecky-Hermanns und Harald Krause in den Werkstätten des BLfD statt. Die sedimentologischen Untersuchungen gehen der Frage nach, in welchem Verhältnis die Bronzedeponierungen zur direkt anschließenden Abfallgrube stehen. Ziel ist es, durch diese Detailuntersuchungen den Deponierungshergang vom „Großen und Kleinen Block“ und des partiell dazwischen lagernden Keramikgefäßes zu rekonstruieren.

Weiter wurde damit begonnen den „Kleinen Block“ schrittweise und ebenfalls unter geoarchäologischer Begleitung freizulegen. Hier wird die Deponierung in einzelnen, zu meist 10er-Bündeln – also immer „zwei Hände voll Barren“ – erstmals gut erkennbar.

Update 30.03.2017

Während der letzten 18 Monate konnte das Team um den Spangenbarrenhort von Oberding zahlreiche Informationen aus den Blockbergungen gewinnen.

Nachdem die Spangenbarren aus der Kleinen Blockbergung freigelegt worden waren, konnte damit begonnen werden diese zu dokumentieren. Das heißt, dass jeder der 141 Barren aus dem Kleinen Block gewogen und metrisch aufgenommen, geröntgt und fotografiert sowie eine Auswahl gezeichnet worden ist. Dadurch wurde ein Vergleich mit anderen frühbronzezeitlichen Spangenbarren ermöglicht. Im Schnitt wiegen die Barren aus Oberding ca. 100 gr, sind um die 30 cm lang und schwach gebogen.

Nach der Auflösung des Kleinen Block hat unser Restaurator Jörg Stolz damit begonnen den Rest vom Großen Block, in dem sich die anderen Spangenbarren befanden schrittweise freizulegen. In kleinen Schritten und in ständigem Abgleich mit den 3D-Computertomographie Aufnahmen hat er sich den Bündel-Paketen angenähert. Britta Kopecky-Hermanns dokumentierte in regelmäßigen Abständen die geoarchäologischen Schichten. Am Ende der geoarchäologischen Aufnahme soll die Schichtfolge in einem zeichnerisch dokumentierten Profilschnitt den Zusammenhang zwischen Grube und Hort sichtbar werden lassen. Die Untersuchungen werden durch Dünnschliffe des Sediments sowie Korngrößenanalysen des Erdmaterials unterstützt.

Mittlerweile zeigt sich ein recht schönes Bild wie die Spangenbarren in den, an die Grube angrenzenden Löss, gelegt worden sind. Es handelt sich um sieben Bündel-Pakete mit Spangenbarren die sorgfältig geschichtet nacheinander abgelegt worden sind. Zuletzt wurde das Bündel-Paket der kleinen Blockbergung vergraben.

Die Bündel-Pakete setzten sich in vier Fällen aus jeweils exakt zehn Zehnerbündeln zusammen. In einem Fall wurden 80 Spangengenbarren in acht Zehnerbündeln abgelegt. In den restlichen drei Bündelpaketen kommen zum größten Teil Zehnerbündel vor, doch lassen sich diese nicht mehr in jedem Fall exakt nachvollziehen. Für die Dokumentation der Bündelungen hilft der Abgleich der „in situ“ Situation mit den CT-Bildern sowie an den Barren erhaltene Organikreste. Diese weisen auf eine Schnürung der Spangenbarren zu Bündeln hin.

Björn Seewald kommt in regelmäßigen Abständen aus dem Zentrallabor des Bayerischen Denkmalamtes in die Restaurierungswerkstatt und untersucht die von Erdmaterial befreiten Spangenbarren mittels Röntgenfluoreszentmethode (RFA-Analyse). Dadurch können die Kupfersorten der Barren bestimmt werden. Dies wiederum gibt Aufschluss zur Herkunft des Rohkupfers. Unterstützend zu den RFA-Analysen werden an ausgewählten Spangenbarren-Exemplaren Bleiisotopen-Analysen am Curt-Engelhorn Zentrum in Mannheim durchgeführt. Unser Ansprechpartner an dieser Stelle ist Ernst Pernicka.

Im September 2016 konnte Sabrina Kutscher mit ihrer Masterarbeit zum Spangenbarrenhort von Oberding erfolgreich ihr Studium abschließen. In ihrer Masterarbeit verarbeitete sie den Arbeitstand bis Juni 2016. Neben den bis dahin freigelegten 141 Spangenbarren aus der Kleinen Blockbergung hat sie das Keramikmaterial aus den Abfallgruben archäologisch vorgelegt. Sowie erste Ergebnisse aus den archäobotanischen Untersuchungen beschrieben.

Die Archäobotanikerin Barbara Zach und Sabrina Kutscher untersuchen das verkohlte Pflanzenmaterial sowohl aus den Abfallgruben als auch aus den Blockbergungen. Nach einer ersten Schnellanalyse, des bis April 2016 geschlämmten Erdmaterials, erschien es lohnenswert eine Gesamtanalyse des archäobotanischen Materials aus Oberding durchzuführen. Aus diesem Grund wurden weitere Erdproben bis Februar 2017 geschlämmt. Im März 2017 kam es zu einem erneuten Einwöchigen Treffen im Archäobotanik Labor von Barbara Zach in Berbeuren um die Pflanzenreste zu bestimmen.

Im Verlauf des letzten Jahres konnte Doktorandin Silvia Eccher ihre Untersuchung an den Tierknochen aus den Abfallgruben abschließen. Mittlerweile konnten das Knochenmaterial für die Ausstellung inventarisiert, d.h. mit Lack und Tusche beschriftet werden.

Das gleiche geschieht momentan mit den freigelegten Spangenbarren sowie der Keramik unter freiwilligen Engagement durch Julia Kissner.

Die Bearbeitung des Fundmaterials in den Räumen der Denkmalpflege neigt sich in München dem Ende zu. Die Materialaufnahme liegt in den letzten Zügen. Das vor ein paar Monaten noch zerscherbte Großgefäß konnte von Jörg Stolz in Puzzelarbeit wieder zusammengefügt und kann nun von Sabrina Kutscher gezeichnet werden.

Zu Projektbeginn wurde sich bereits dazu entschlossen einen Teil der Spangenbarren nicht freizulegen und im Block zu erhalten. Dadurch wird ein Teil des Befundes „ in situ“ erhalten und für zukünftige Forschungen erhalten bleiben. Dieser „Restblock“ wird unter anderem ab Ende Juli in der Dauerausstellung des Museums Erding zu sehen sein. Momentan wird für diesen Block zusammen mit einem Metallbauer eine Umschalung konstruiert, der den Block bestmöglich schützen wird.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die dauerhafte Präsentation des Spangenbarrenhortes im Museum Erding. In enger Zusammenarbeit mit dem gesamten Team wird die Ausstellung entworfen. Auch hier arbeiten Restauratoren, Archäologen und Museum Hand in Hand um zum einen dem Besucher die gewonnene Ergebnisse anschaulich vermitteln zu können als auch den Objekten in ihrer weiteren Aufbewahrung verantwortungsvoll gerecht zu werden. Ein Museumsbegleitband zum Spangenbarrenhort von Oberding soll die Präsentation des Hortes ergänzen.

Das 4. Archäologische Sommersymposium im Museum Erding wird sich aus diesem besonderen Anlass am Samstag, den 22.07.2017 einen ganzen Tag lang um die Erforschung des Hortfundes drehen. Sämtliche am Projekt beteiligte Wissenschaftler werden in kurzen Vorträgen einen Einblick in ihren aktuellen Arbeits- und Ergebnisstand geben.

Eine Übersicht zu den Vorträgen wird in Kürze als PDF online zum Download verfügbar sein.

Spangenbarrenhort Oberding: Bereist erschienene Publikationen

St. Gasteiger, Kooperationsprojekt – eine Menge bronzene Spangenbarren, Beachtlicher Hortfund der frühen Bronzezeit aus Oberding, Lkr. Erding. Denkmalpflege Informationen 161, 2015, 89-90.

M. Blana/ H. Krause/ J. Stolz, Seltener Fund in Oberding, frühbronzezeitlicher Spangenbarrenhort in zwei Blöcken geborgen. Archäologie in Deutschland 5, 2015, 4 mit Abb. S. 6.

J. Leicht/ Th. Stöckl, Ein Spangenbarrenhort der frühen Bronzezeit aus Oberding. In: M. Pfeil/ C. S. Sommer (Hrsg.), Das Archäologische Jahr in Bayern 2014 (Stuttgart 2015), 46-48.

J. Stolz, Computertomographie-Analysen an Blockbergungen aus Oberding – bisher größter bekannter Spangenbarrenhortfund. Denkmalpflege Informationen 163, 2016, 51-53.

J. Stolz/ H. Krause, 809 Spangenbarren aus Kufper in Siedlungsgrube. Archäologie in Deutschland 6, 2016, 42.

R. Gschlößl, Oberdinger Kupferschatz. Spangenbarrenhort wird restauriert. Bayerische Archäologie 2, 2016, 9.

In unregelmäßigen Abständen werden an dieser Stelle aktuelle Ergebnisse der Freilegung/Untersuchungen mitsamt Bildmaterial eingestellt.

Sämtliche Bildrechte liegen, wenn nicht anders angegeben, beim Museum Erding.

Samstag, 22.07.2017
von 10 - 20 Uhr

4. Archäologisches Sommer-Symposium im Museum Erding

"Frühbronzezeitlicher Spangenbarrenhort von Oberding"

Das genaue Programm finden Sie hier:


Entdeckung April 2014 (Foto: Harald Krause)

Entdeckung April 2014 (Foto: Harald Krause)

Dokumentation April 2014 (Foto: Harald Krause)

Blockbergung April 2014 (Foto: Harald Krause)

Blockbergung April 2014 (Foto: BLfD)

Keramik Abfallgrube Mai 2015 (Foto: Harald Krause)

Freilegung Juni 2015 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Arbeitsgespräch Mai 2015 (Foto: Harald Krause)

Geoarchäologische Untersuchung vom Großen Block 09-2015 (Foto: Britta Kopecky-Hermanns)

Geoarchäologische Untersuchung vom Großen Block 09-2015 (Foto: Harald Krause)

Erste partielle Freilegung des Kleinen Blocks 09-2015 (Foto: Harald Krause)

Zeichnerische Profilaufnahme des Kleinen Blocks 01-2016 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Freilegung der Spangenbarren des Großen Blocks 07-2016 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Geoarchäologische Ansprache des Großen Blocks 02-2017 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Zeichnerische Profilaufnahme des Großen Blocks 02-2017 (Foto: Britta Kopecky-Hermanns)

Bestimmung der Kupfersorten der Spangenbarren durch RFA-Analyse 03-2017 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Dokumentation der Spangenbarren 03-2016 (Foto: Sabrina Kutscher)

Bestimmung verkohlter Getreidekörner aus der Abfallgrube 02-2017 (Foto: Barbara Zach)

Zusammensetzen des vollständigen Großgefäßes aus dem Großen Block 03-2017 (Foto: Sabrina Kutscher)