Aktuelle Information für unsere Besucher:

Der Spangenbarrenhort von Oberding reist als Leihgabe ab Ende August 2018 für fünf Monate (bis Januar 2019) in den Martin-Gropius-Bau nach Berlin. Er wird dort in der Bundesausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ Seite an Seite zu weiteren archäologischen, gesamtdeutschen Neu-Entdeckungen der vergangenen 20 Jahre zu sehen sein. Bitte entschuldigen Sie, dass der Fund während dieser Zeit nicht im Museum Erding bestaunt werden kann. Die Abteilung Schaufenster Archäologie hat aber selbstverständlich während dieses Zeitraums geöffnet.


Die Erforschung des frühbronzezeitlichen Spangenbarrenhortes von Oberding durch das Museum Erding

Der Hortfund wurde Im Frühjahr 2014 am südlichen Ortsrand von Oberding, Landkreis Erding, im Vorgriff auf den Bau eines Wohnhauses durch eine Ausgrabungsfirma innerhalb eines bekannten Bodendenkmals (Siedlung und Gräber der frühen Bronzezeit) entdeckt. Die lössbedeckte  Hochterrasse am Ostrand des Erdinger Mooses weist eine hohe Dichte an bekannten Fundstellen/Bodendenkmälern auf. Dem aktuellen Kenntnisstand nach ist dieser Kleinraum seit der Jungsteinzeit (Mittlere Linearbandkeramik, um 5300 v. Chr.) besiedelt.

Der Spangenbarrenhort wurde in zwei in-situ-Erdblöcken durch das BLfD (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) geborgen. Er besteht aus einem kleinen, der ca. 140 Barren fasst („Kleiner Block“) und einem großen, etwa 1,2 t schweren Erdblock mit aktuell noch nicht abzuschätzender Zahl an Barren („Großer Block“). Sämtliche Funde lagern seitdem in den Restaurierungswerkstätten des BLfD in München.

Der Fundkomplex befindet sich im Eigentum der Stadt Erding (durch Erwerb aus Privatbesitz im Dezember 2014). Die Stadt Erding finanziert in freiwilliger Leistung als Eigentümerin das Projekt „Spangenbarrenhort Oberding". Er soll zukünftig dauerhaft im Museum Erding ausgestellt werden.

Prähistorischer Hintergrund und Besonderheit des Hortfundes

Hort-/Depotfund mit Bronze(?)-Spangenbarren der frühen Bronzezeit (Stufe Bz A2, um 2000 v. Chr.) besitzen gelegentlich beträchtlichen Umfang. Spangenbarren gelten als bronzezeitliche Tauschgrundlage, sie sind genormte(?) Rohmaterialstücke für die Weiterverarbeitung durch Bronzeschmiede bzw. -gießer, z.B. zur Herstellung von Waffen, Schmuck und Gerät. Der größte, bisher bekannt gewordene  Spangenbarrenhort Südbayerns (mit über 500 Einzelbarren) wurde letztes Jahrhundert in München-Luitpoldpark beim Kiesabbau entdeckt.

Besonderheit des Oberdinger Fundes: neben seinem zahlenmäßigen Umfang ist es die Auffindung des Oberdinger Hortes in einer typischen Siedlungsgrube, in der er am Rand in einer versteckten Nische niedergelegt und deponiert wurde. Die meisten vergleichbaren Hortfunde sind ohne umgebenden Befund und Kontext geborgen worden. Er ist in dieser Grube mit einer größeren Menge – wohl ebenfalls deponierter – Keramik vergesellschaftet. Dadurch besteht die seltene Möglichkeit die zeitliche/räumliche Situation zwischen Siedlungsgrube und Grube/Nische des Spangenbarrenhorts zu untersuchen und chronologisch zu parallelisieren. Besonders wertvoll ist weiter, dass der Hort im Rahmen einer regulären Ausgrabung entdeckt wurde und dadurch der Fundzusammenhang - z.B. durch Raubgräber/illegale Sondengänger - nicht gestört ist.

Das laufende Projekt „Spangenbarrenhort Oberding“

Das Gesamtprojekt umfasst: Restaurierung-Konservierung, Untersuchung, archäologische Auswertung und Präsentation des Fundkomplexes mit dem Ziel den Fund zu erhalten, zu erforschen und schließlich im Museum Erding zu präsentieren.

Projektpartner:

BLfD (Restaurierung-Konservierung, Technologische Untersuchung)

Stadt Erding/Museum Erding (Auftraggeber und Finanzierung)

LMU München (archäologische Auswertung im Rahmen einer Masterarbeit, Betreuerin: Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick, Institut für vor- und frühgeschichtliche und provinzialrömische Archäologie).

Folgende Untersuchungen sind für den Fundkomplex geplant bzw. bereits in Arbeit:

Konservierung und Restaurierung der Keramikfunde

Schichtweise Freilegung der beiden in-situ-Blockbergungen mit den Spangenbarren mit archäologischen Methoden (Anlegen von Plana und Schnitten) einschließlich der 3-D Dokumentation (3D-Scan und 3D-CT durch das Fraunhofer Institut, Fürth) und der Probenentnahme für diverse naturwissenschaftliche Untersuchungen.

Konservierung und Restaurierung der in den Blöcken enthaltenen Funde und Befunde bis zur Vorbereitung für die Präsentation, einschließlich der herstellungstechnologischen Untersuchung und Beprobung der Spangenbarren für metallografische Unter­suchungen, der möglicherweise enthaltenen organischen Materialien (Schnüre zur Bündelung?) und evtl. weiterer vorhandener Funde.

Metallanalysen

14-C-Analysen zur Datierung

Paläoanatomische Untersuchungen (Archäozoologie)

Paläobotanische Untersuchungen

Holzkohleanalysen

Archäologische Bearbeitung (Fundzeichnung, Katalog, Vergleichsfunde, Bewertung und Interpretation)

Sachgerechte Aufbereitung der Funde und Untersuchungsergebnisse für eine Präsentation im Museum Erding, incl. der anvisierten digitalen 3D-Datenaufbereitung für eine virtuelle Rekonstruktion des archäologischen Befundes, ggf. eines Modells / einer Kopie des Hortfundes (3D-Druck) zum Anfassen.

Einrichtung der Präsentation im Museum Erding, Vorstellung in der Öffentlichkeit (geplant ist eine Sonderausstellung ab frühestens Spätsommer/Herbst 2016)

Text: BLfD/Museum Erding, 28.08.2015

Update 18.09.2015

Zur Vorbereitung auf die erste vollständige 3-D Computertomographie des „Großen Blocks“ im Fraunhofer EZRT in Fürth wurde dieser in den letzten Wochen vom Restaurator Jörg Stolz um Große Teile der nicht bronzeführenden Erdpartien reduziert. Parallel dazu fand eine erste geoarchäologische Ansprache der Bodenprofile durch Britta Kopecky-Hermanns und Harald Krause in den Werkstätten des BLfD statt. Die sedimentologischen Untersuchungen gehen der Frage nach, in welchem Verhältnis die Bronzedeponierungen zur direkt anschließenden Abfallgrube stehen. Ziel ist es, durch diese Detailuntersuchungen den Deponierungshergang vom „Großen und Kleinen Block“ und des partiell dazwischen lagernden Keramikgefäßes zu rekonstruieren.

Weiter wurde damit begonnen den „Kleinen Block“ schrittweise und ebenfalls unter geoarchäologischer Begleitung freizulegen. Hier wird die Deponierung in einzelnen, zu meist 10er-Bündeln – also immer „zwei Hände voll Barren“ – erstmals gut erkennbar.

Update 30.03.2017

Während der letzten 18 Monate konnte das Team um den Spangenbarrenhort von Oberding zahlreiche Informationen aus den Blockbergungen gewinnen.

Nachdem die Spangenbarren aus der Kleinen Blockbergung freigelegt worden waren, konnte damit begonnen werden diese zu dokumentieren. Das heißt, dass jeder der 141 Barren aus dem Kleinen Block gewogen und metrisch aufgenommen, geröntgt und fotografiert sowie eine Auswahl gezeichnet worden ist. Dadurch wurde ein Vergleich mit anderen frühbronzezeitlichen Spangenbarren ermöglicht. Im Schnitt wiegen die Barren aus Oberding ca. 100 gr, sind um die 30 cm lang und schwach gebogen.

Nach der Auflösung des Kleinen Block hat unser Restaurator Jörg Stolz damit begonnen den Rest vom Großen Block, in dem sich die anderen Spangenbarren befanden schrittweise freizulegen. In kleinen Schritten und in ständigem Abgleich mit den 3D-Computertomographie Aufnahmen hat er sich den Bündel-Paketen angenähert. Britta Kopecky-Hermanns dokumentierte in regelmäßigen Abständen die geoarchäologischen Schichten. Am Ende der geoarchäologischen Aufnahme soll die Schichtfolge in einem zeichnerisch dokumentierten Profilschnitt den Zusammenhang zwischen Grube und Hort sichtbar werden lassen. Die Untersuchungen werden durch Dünnschliffe des Sediments sowie Korngrößenanalysen des Erdmaterials unterstützt.

Mittlerweile zeigt sich ein recht schönes Bild wie die Spangenbarren in den, an die Grube angrenzenden Löss, gelegt worden sind. Es handelt sich um sieben Bündel-Pakete mit Spangenbarren die sorgfältig geschichtet nacheinander abgelegt worden sind. Zuletzt wurde das Bündel-Paket der kleinen Blockbergung vergraben.

Die Bündel-Pakete setzten sich in vier Fällen aus jeweils exakt zehn Zehnerbündeln zusammen. In einem Fall wurden 80 Spangengenbarren in acht Zehnerbündeln abgelegt. In den restlichen drei Bündelpaketen kommen zum größten Teil Zehnerbündel vor, doch lassen sich diese nicht mehr in jedem Fall exakt nachvollziehen. Für die Dokumentation der Bündelungen hilft der Abgleich der „in situ“ Situation mit den CT-Bildern sowie an den Barren erhaltene Organikreste. Diese weisen auf eine Schnürung der Spangenbarren zu Bündeln hin.

Björn Seewald kommt in regelmäßigen Abständen aus dem Zentrallabor des Bayerischen Denkmalamtes in die Restaurierungswerkstatt und untersucht die von Erdmaterial befreiten Spangenbarren mittels Röntgenfluoreszentmethode (RFA-Analyse). Dadurch können die Kupfersorten der Barren bestimmt werden. Dies wiederum gibt Aufschluss zur Herkunft des Rohkupfers. Unterstützend zu den RFA-Analysen werden an ausgewählten Spangenbarren-Exemplaren Bleiisotopen-Analysen am Curt-Engelhorn Zentrum in Mannheim durchgeführt. Unser Ansprechpartner an dieser Stelle ist Ernst Pernicka.

Im September 2016 konnte Sabrina Kutscher mit ihrer Masterarbeit zum Spangenbarrenhort von Oberding erfolgreich ihr Studium abschließen. In ihrer Masterarbeit verarbeitete sie den Arbeitstand bis Juni 2016. Neben den bis dahin freigelegten 141 Spangenbarren aus der Kleinen Blockbergung hat sie das Keramikmaterial aus den Abfallgruben archäologisch vorgelegt. Sowie erste Ergebnisse aus den archäobotanischen Untersuchungen beschrieben.

Die Archäobotanikerin Barbara Zach und Sabrina Kutscher untersuchen das verkohlte Pflanzenmaterial sowohl aus den Abfallgruben als auch aus den Blockbergungen. Nach einer ersten Schnellanalyse, des bis April 2016 geschlämmten Erdmaterials, erschien es lohnenswert eine Gesamtanalyse des archäobotanischen Materials aus Oberding durchzuführen. Aus diesem Grund wurden weitere Erdproben bis Februar 2017 geschlämmt. Im März 2017 kam es zu einem erneuten Einwöchigen Treffen im Archäobotanik Labor von Barbara Zach in Berbeuren um die Pflanzenreste zu bestimmen.

Im Verlauf des letzten Jahres konnte Doktorandin Silvia Eccher ihre Untersuchung an den Tierknochen aus den Abfallgruben abschließen. Mittlerweile konnten das Knochenmaterial für die Ausstellung inventarisiert, d.h. mit Lack und Tusche beschriftet werden.

Das gleiche geschieht momentan mit den freigelegten Spangenbarren sowie der Keramik unter freiwilligen Engagement durch Julia Kissner.

Die Bearbeitung des Fundmaterials in den Räumen der Denkmalpflege neigt sich in München dem Ende zu. Die Materialaufnahme liegt in den letzten Zügen. Das vor ein paar Monaten noch zerscherbte Großgefäß konnte von Jörg Stolz in Puzzelarbeit wieder zusammengefügt und kann nun von Sabrina Kutscher gezeichnet werden.

Zu Projektbeginn wurde sich bereits dazu entschlossen einen Teil der Spangenbarren nicht freizulegen und im Block zu erhalten. Dadurch wird ein Teil des Befundes „ in situ“ erhalten und für zukünftige Forschungen erhalten bleiben. Dieser „Restblock“ wird unter anderem ab Ende Juli in der Dauerausstellung des Museums Erding zu sehen sein. Momentan wird für diesen Block zusammen mit einem Metallbauer eine Umschalung konstruiert, der den Block bestmöglich schützen wird.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die dauerhafte Präsentation des Spangenbarrenhortes im Museum Erding. In enger Zusammenarbeit mit dem gesamten Team wird die Ausstellung entworfen. Auch hier arbeiten Restauratoren, Archäologen und Museum Hand in Hand um zum einen dem Besucher die gewonnene Ergebnisse anschaulich vermitteln zu können als auch den Objekten in ihrer weiteren Aufbewahrung verantwortungsvoll gerecht zu werden. Ein Museumsbegleitband zum Spangenbarrenhort von Oberding soll die Präsentation des Hortes ergänzen.

Beim 4. Archäologische Sommersymposium im Museum Erding am Samstag, den 22.07.2017 hatten sämtliche am Projekt beteiligte Wissenschaftler in kurzen Vorträgen einen Einblick in ihren aktuellen Arbeits- und Ergebnisstand gegeben.

Eröffnung der neuen Ausstellungssequenz zum Spangenbarrenhort Oberding in der Abteilung Archäologie im Juli 2017, Foto: Harald Krause

Spangenbarrenhort Oberding: Bereist erschienene Publikationen

St. Gasteiger, Kooperationsprojekt – eine Menge bronzene Spangenbarren, Beachtlicher Hortfund der frühen Bronzezeit aus Oberding, Lkr. Erding. Denkmalpflege Informationen 161, 2015, 89-90.

M. Blana/ H. Krause/ J. Stolz, Seltener Fund in Oberding, frühbronzezeitlicher Spangenbarrenhort in zwei Blöcken geborgen. Archäologie in Deutschland 5, 2015, 4 mit Abb. S. 6.

J. Leicht/ Th. Stöckl, Ein Spangenbarrenhort der frühen Bronzezeit aus Oberding. In: M. Pfeil/ C. S. Sommer (Hrsg.), Das Archäologische Jahr in Bayern 2014 (Stuttgart 2015), 46-48.

J. Stolz, Computertomographie-Analysen an Blockbergungen aus Oberding – bisher größter bekannter Spangenbarrenhortfund. Denkmalpflege Informationen 163, 2016, 51-53.

J. Stolz/ H. Krause, 809 Spangenbarren aus Kufper in Siedlungsgrube. Archäologie in Deutschland 6, 2016, 42.

R. Gschlößl, Oberdinger Kupferschatz. Spangenbarrenhort wird restauriert. Bayerische Archäologie 2, 2016, 9.

Stadt Erding (Hrsg.), Spangenbarrenhort Oberding. Gebündelt und vergraben - ein rätselhaftes Kupferdepot der Frühbronzezeit, Museum Erding, Schriften 2 (Erding 2017).

H. Krause & S. Kutscher, Oberdinger Spangenbarrenhort gibt sein Geheimnis preis. Das 4. Archäologische Sommersymposium im Museum Erding beschäftigt sich mit dem außergewöhnlichen Fund. In: Bayerische Archäologie 2, 2017, 54.

St. Gasteiger, Der frühbronzezeitliche Spangenbarrenhort von Oberding – Abschluss eines Erfolgsprojektes. Denkmalpflege Informationen 167, 2017, 60-61.

B. Seewald, Methodenreihe des Zentrallabors im BLfD. Teil 10: Mobile und stationäre Röntgenfluoreszenzanalyse. Denkmalpflege Informationen 167, 2017, 62-65.

Ch. Later, Wissenschaftlicher Triathlon – Fachtagung, museale Präsentation und Begleitpublikation zum Hortfund von Oberding im Museum Erding, Denkmalpflege Informationen 167, 2017, 83-85.

J. Stolz, Erste Nachweise des Dezimalsystems? Der frühbronzezeitliche Spangenbarrenhort von Oberding. In: Restauro, Zeitschrift für Konservierung und Restaurierung 8, 2017, 14-19.

S. Kutscher, Der frühbronzezeitliche Spangenbarrenhort von Oberding, Lkr. Erding. Erste Ergebnisse, Archäologische Informationen 40, 2017, 423-433.
Internet: http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/42526

H. Krause, S. Kutscher, C. Metzner-Nebelsick & E. Pernicka, Kupferbarren - europäische Währung der Frühbronzezeit? AiD 3, 2018, 22-23.

H. Krause, S. Kutscher, C. Metzner-Nebelsick, E. Pernicka, B. Seewald & J. Stolz. Europas größter Spangenbarrenhort: Der frühbronzezeitliche Kupferschatz von Oberding. In: M. Wemhoff & M. M. Rind (Hrsg.), Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland (Petersberg 2018), 167-169. 

In unregelmäßigen Abständen werden an dieser Stelle aktuelle Ergebnisse der Freilegung/Untersuchungen mitsamt Bildmaterial eingestellt.

Sämtliche Bildrechte liegen, wenn nicht anders angegeben, beim Museum Erding.

Eröffnung der Bundesausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Martin-Gropius-Bau in Berlin.

Kulturhistorisch wertvolle Leihgaben aus dem Museum Erding sind in Berlin zu sehen.

Die Stadt Erding darf stolz sein, gleich mit zwei wertvollen archäologischen Fundkomplexen als Leihgeberin in Berlin vertreten zu sein. Seit vergangenem Donnerstag sind der frühbronzezeitliche Spangenbarrenhort von Oberding (um 1650 v. Chr.) und spätantike Grabfunde aus Erding-Klettham (um 380 n. Chr.) im Martin-Gropius-Bau bis 6. Januar 2019 ausgestellt. Bereits 1873 wurden im Martin-Gropius-Bau Heinrich Schliemanns Funde aus Troja in drei Sälen präsentiert. Museumsleiter Harald Krause durfte in Vertretung für Oberbürgermeister Max Gotz der feierlichen Eröffnung am 20.9.2018 im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses in Berlin beiwohnen. Die Ausstellung bildet den Höhepunkt des Europäischen Kulturerbejahres 2018 unter dem Motto „Sharing Heritage“.

Der Einladung des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Herman Parzinger, folgten über 150 Vertreter aus Museen, Forschungseinrichtungen und Denkmalpflege aus der gesamten Bundesrepublik. Denn die Schau zeige laut Parzinger „das Kostbarste, das die Archäologie in Deutschland der vergangenen 20 Jahre zu bieten hat“. Eine Leistungsschau aller Bundesländer also, die erfolgreich an die Ausstellung „Menschen, Zeiten, Räume“ aus dem Jahr 2003 anknüpfen möchte. Sie ermöglicht einen „ganz besonderen Einblick in die Menschheitsgeschichte“. Im Vordergrund der Ausstellung steht die „Bewusstseinsschärfung der gemeinsamen europäischen Wurzeln“, so Parzinger weiter.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Franz-Walter Steinmeier, der bei seinem Grußwort betonte, dass „wir unser enormes Wissen auch an die kommenden Generationen weitergeben müssen“. Die Archäologie und die Museen nehmen hier einen besonderen Stellenwert ein, die „sprachlose Bodenfunde nicht stumm bleiben lässt“. Die „klug inszenierte Ausstellung“, so Steinmeier, stellt Deutschland als Herzstück Europas – dem „Kontinent der Erinnerung, der durch alle Jahrtausende hinweg durch Mobilität und Migration geprägt war“ – in den Mittelpunkt. Besonders hob Steinmeier das „große Interesse in der breiten Bevölkerung am Thema Archäologie“ hervor und betonte, „dass das Ehrenamt hier einen großartigen Beitrag“ leiste.

Eine Einführung in das Ausstellungskonzept – dessen Idee erst vor gut zwei Jahren geboren wurde – bot der Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin, Matthias Wemhoff. Die Präsentation sei bewusst nicht chronologisch aufgebaut, sondern in vier Einzelthemen gegliedert: Mobilität, Austausch, Konflikte und Innovation. Dadurch könne die unmittelbare „Lebenserfahrung eines jeden einzelnen Besuchers von heute direkt mit dem Gestern in Beziehung gesetzt werden“. Denn, so der Direktor, „zu allen Zeiten haben die Menschen in Deutschland Außergewöhnliches geleistet“ und „bewegte Zeiten seien kein Alleinstellungsmerkmal unserer Gegenwart“.

Als Vertreter des Verbandes der Landesarchäologen dankte Michael M. Rind allen Beteiligten, Restauratoren und Leihgebern, die „diese Mammutaufgabe in so kurzer Zeit“ erfolgreich bewältigt haben. Es sei schließlich „etwas ganz besonderes, die archäologische Vielfallt der Bundesrepublik an einem Ort zusammenzuführen“. Über 70 Leihgeber haben „ihre besten Stücke aus den Vitrinen geräumt und nach Berlin gebracht“. Rind ist sich sicher, dass die Ausstellung „zur öffentlichen Wahrnehmung des Fachs Archäologie beiträgt, denn sie gebe der Gesellschaft etwas zurück“. Er schloss unter großem Applaus mit der unter Archäologen bekannten Redensart: „Die Nase im Dreck, in den Augen der Glanz der Geschichte“.

Parallel zur Ausstellung ist im Michael Imhof Verlag der gleichnamige Ausstellungskatalog mit knapp 500 Seiten erschienen, der sämtliche Funde und Forschungsergebnisse anschaulich zusammenfasst und reich bebildert präsentiert. Selbstverständlich werden darin auch die Erdinger und Oberdinger Funde gebührend gewürdigt.

Text: Harald Krause

Weitere Informationen erhalten Sie auch hier:
https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2018/metznernebelsick_ausstellung.html

Entdeckung April 2014 (Foto: Harald Krause)

Entdeckung April 2014 (Foto: Harald Krause)

Dokumentation April 2014 (Foto: Harald Krause)

Blockbergung April 2014 (Foto: Harald Krause)

Blockbergung April 2014 (Foto: BLfD)

Keramik Abfallgrube Mai 2015 (Foto: Harald Krause)

Freilegung Juni 2015 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Arbeitsgespräch Mai 2015 (Foto: Harald Krause)

Geoarchäologische Untersuchung vom Großen Block 09-2015 (Foto: Britta Kopecky-Hermanns)

Geoarchäologische Untersuchung vom Großen Block 09-2015 (Foto: Harald Krause)

Erste partielle Freilegung des Kleinen Blocks 09-2015 (Foto: Harald Krause)

Zeichnerische Profilaufnahme des Kleinen Blocks 01-2016 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Freilegung der Spangenbarren des Großen Blocks 07-2016 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Geoarchäologische Ansprache des Großen Blocks 02-2017 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Zeichnerische Profilaufnahme des Großen Blocks 02-2017 (Foto: Britta Kopecky-Hermanns)

Bestimmung der Kupfersorten der Spangenbarren durch RFA-Analyse 03-2017 (Foto: Jörg Stolz, BLfD)

Dokumentation der Spangenbarren 03-2016 (Foto: Sabrina Kutscher)

Bestimmung verkohlter Getreidekörner aus der Abfallgrube 02-2017 (Foto: Barbara Zach)

Zusammensetzen des vollständigen Großgefäßes aus dem Großen Block 03-2017 (Foto: Sabrina Kutscher)

Eröffnung der neuen Ausstellungssequenz zum Spangenbarrenhort Oberding in der Abteilung Archäologie im Juli 2017, Foto: Harald Krause

Das Museum Erding als Leihgeber für die Bundesausstellung „Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland“
(21.09.2018 bis 06.01.2019)

Abbau Blockbergung für den Transport in den Martin-Gropius-Bau in Berlin (29. August 2018), Foto: Harald Krause

Rückbau der Bündelgruppen durch Restaurator Jörg Stolz (29. August 2018), Foto: Harald Krause

Transportsicheres Verpacken der Zehnerbündel durch Restaurator Jörg Stolz (29. August 2018), Foto: Harald Krause

Vertikalmontage von 50 Einzelbarren vor dem Rückbau (30. August 2018), Foto: Harald Krause

Rückbau Vertikalvitrine durch Sabrina Kutscher (LMU München) am 30. August 2018, Foto: Harald Krause

Rückbau Vertikalvitrine durch Sabrina Kutscher (LMU München) am 30. August 2018, Foto: Harald Krause

Verpacken der Einzelbarren durch Sabrina Kutscher (LMU München) und Restaurator Jörg Stolz (30. August 2018) , Foto: Harald Krause

Verschließen der Transportkisten durch Museumsleiter Harald Krause (30. August 2018), Foto: Sabrina Kutscher

Verpacken der Transportkisten in die Klimaboxen durch DB Schenker (31. August 2018), Foto: Harald Krause

Verpacken der Transportkisten in die Klimaboxen durch DB Schenker (31. August 2018) , Foto: Harald Krause

Transportkisten in einer Klimabox (31. August 2018), Foto: Harald Krause

80 kg Kupfer stehen in Klimaboxen für den Transport im Museum Erding bereit (31. August 2018), Foto: Harald Krause

Abtransport der Klimakisten durch DB Schenker (31. August 2018), Foto: Harald Krause

Abtransport der Klimakisten durch DB Schenker (31. August 2018), Foto: Harald Krause

Verladen der Klimakisten durch DB Schenker im LKW (31. August 2018), Foto: Harald Krause

Ladungssicherung der Klimakisten durch DB Schenker im LKW (31. August 2018), Foto: Harald Krause

Reise nach Berlin von Restaurator Jörg Stolz (Hauptbahnhof München) am 13. September 2018, Foto: ein freundlicher Passant

Der Ausstellungsort im Martin-Gropius-Bau in Berlin für „Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland“ (14. September 2018), Foto: Jörg Stolz

Auspacken der wohlbehaltenen Objekte im Martin-Gropius-Bau in Berlin (14. September 2018), Foto: Jörg Stolz

Montage der Spangenbarren, Bündel und der Blockbergung in der Ausstellungssequenz „Austausch“ im Martin-Gropius-Bau in Berlin durch Restaurator Jörg Stolz (15. September 2018), Foto: MGB

Fertig! Die Leihgaben aus dem Museum Erding sind in die Vitrinen eingebracht und montiert (14. September 2018). Der Eröffnung am 20. September durch den Schirmherren Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier steht nichts mehr im Wege. Foto: Jörg Stolz

Werbeplakat zur Sonderausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ vor dem Martin-Gropius-Bau in Berlin (Foto: H. Krause)

Museumsleiter Harald Krause vor dem Martin-Gropius-Bau (links) und dem Abgeordnetenhaus (rechts) am Tag der Eröffnung, 20.9.2018 (Foto: H. Krause)

Eröffnung der Sonderausstellung am 20.9.2018: Die geladenen Gäste strömen aus dem Abgeordnetenhaus hinüber in den Martin-Gropius-Bau (Foto: H. Krause).

Finale Präsentation des Spangenbarrenhorts von Oberding in der Sequenz „Austausch“ im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Dort wird er bis zum 6. Januar 2019 zu sehen sein (Foto: H. Krause).