Erdinger Handwerk

Glockengießer und Loderer – zwei bedeutende Handwerke in Erding

Im Jahr 1850 gründetet Joseph Bachmair eine Glockengießerei in Erding. Er lieferte seine Kunstwerke bereits in die weite Welt. 1873 goss er als sein 215. Werk die Ave-Maria-Glocke für Nazareth, die dort am Vorabend von Allerheiligen, am 31.10.1873, zum ersten Mal erklang.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Firma von Karl Czudnochowsky übernommen und erlebte unter ihm die Blütezeit. Unter seiner Leitung entstanden etwa 7000 Bronze- und 400 Euphonglocken. Die zinnfreie Legierung Euphon wurde von ihm entwickelt, um billigere Glocken mit vollem Klang zu erhalten.

Geschichte der Erdinger Glockengießer

Das Meisterstück der Erdinger Glockengießerei ist die „Jubiläumsglocke“ der Stadt München aus dem Jahr 1958. Sie wurde zur 800-Jahr-Feier gegossen und hängt in München im „Alten Peter“. Mit einem Gewicht von rund 7 Tonnen, ist sie die schwerste in Erding gegossene Glocke.

Unter anderem schuf Herr Czudnochowsky das achtstimmige Großgeläut für das Kloster Santa Maria de Montserrat in Spanien und das achtstimmige Großgeläut für die oberbayerische Erzabtei der Missionsbenediktiner St. Ottilien.

1971 wurde die Werkstatt in Erding geschlossen.

Das Glockengießen ist ein Handwerk mit tausendjähriger Geschichte. In unserer Dauerausstellung erhalten Sie ausführliche Informationen über die Technik des Glockengusses. Bewundern Sie Originalglocken aus dem Erdinger Raum und hören Sie an Multimediastationen berühmte Erdinger Geläute.

In unserem Klangraum können Sie sich an einem Glockenspiel üben und multimedial eigene Geläute zusammenstellen.

Klangraum

In Erding gab es Loderer seit mindestens dem 15. Jahrhundert. Ihren wirtschaftlichen Höhepunkt erlebten sie kurz vor dem 30-jährigen Krieg. Bis ins 18. Jahrhundert lieferten sie ihre Erzeugnisse bis nach Oberitalien und in die Türkei. Auch die Fugger in Augsburg vertrieben Lodenstoffe aus Erding.

Loden ist ein strapazierfähiges Wollgewebe das vorzugsweise für wetterfeste Bekleidung verwendet wurde. Seine handwerkliche Herstellung ist ein langwieriger Prozess. Die Dauerausstellung über das Lodererhandwerk zeigt Ihnen den Weg der Wolle vom Schaf bis zum fertigen Lodenstoff.

Spinnen und Walken - wichtige Arbeitsschritte

Die einzelnen Fertigungsschritte Schafschur, Wollreinigung, Kardätschen, Spinnen, Weben, Walken, Rauen, Scheren werden in Bild und Text und mit Hilfe anschaulicher Modelle und Nachbauten gezeigt.

Der letzte Erdinger Loderermeister, Rupert Müller, starb am 2. Januar 1928.